Altersarmut - Ursachen und Gründe

von Christopher Grobe

Wie wir bereits beschrieben haben, breitet sich Altersarmut immer mehr in Deutschland aus und wird auch in den nächsten Jahren weiter steigen. Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass in Deutschland ca. 3 Millionen Menschen unter Altersarmut leiden? In diesem Blogbeitrag erklären wir die Ursachen und Gründe für Altersarmut - von der Rentenreform über Arbeitslosigkeit, bis hin zu Niedriglöhnen und fehlender privater Absicherung.
 

Ursachen der Altersarmut: Rentenreform

 
Anfang der 2000er verabschiedete die deutsche Regierung Rentenreformen mit dem Ziel, die Rentenversicherung trotz alternder Bevölkerung bezahlbar zu halten und damit einen angemessenen Lebensstandard im Alter sicherzustellen. Dazu wurden mit dem Altersvermögensgesetz die Beitragssätze bis 2030 begrenzt, was allgemein zu einem niedrigeren Rentenniveau führte. Das Rentenniveau gibt an, wieviel Prozent des aktuellen durchschnittlichen Standardeinkommens in der Rente ausgezahlt werden.
 
Ein Beispiel: Im Jahre 2004 betrug das Rentenniveau 53%. Wenn der damalige Durchschnittsverdienst also bei 2.000€ netto pro Monat lag, betrug die monatliche Rente im Durchschnitt 1.060€ (abzüglich Kranken- und Pflegeversicherung). Im Jahre 2018 betrug das Rentenniveau jedoch nur noch ca. 48% - ein Betrag, mit dem man akut von Altersarmut gefährdet ist.
 
Doch Vorsicht: diesen Betrag gäbe es nur dann, wenn die Empfänger/-innen 45 Jahre lang ein Durchschnittseinkommen verdient haben und dementsprechend in die Rentenkasse eingezahlt haben. Wie wir weiter unten sehen, ist das oft nicht der Fall.
 
Dass sinkende Rentenniveaus problematisch werden können, war damals auch der Bundesregierung bewusst. Daher wurde das sog. Drei-Säulen-System eingeführt. Dieses System ergänzt die (sinkende) gesetzliche Altersvorsorge durch eine betriebliche und private Altersvorsorge. Durch diese zusätzlichen Säulen sollten Arbeitnehmer also von höheren Beitragssätzen verschont bleiben, ohne sie automatisch in die Altersarmut zu schicken. Wie wir in den nächsten Absätzen erklären, gab es aber einige Haken bei der Rentenreform, die letztendlich doch als Ursachen für steigende Altersarmut angeführt werden.
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Ursachen der Altersarmut: Arbeitslosigkeit und Berufsunterbrechungen

 
Wie oben angedeutet, gelten die oben genannten Zahlen nur für die Rentner/-innen, die 45 Jahre lang durchschnittlich verdient und in die Rentenkasse eingezahlt haben - eine logische Annahme, die leider absolut unrealistisch ist.
 
Denn zahlreiche Rentner/-innen haben “unvollständige oder fragmentierte Erwerbsbiographien”. Das heißt, dass sie eben nicht 45 Jahre lang durchschnittlich verdient und in die Rentenkasse eingezahlt haben. Diese Situation betrifft nicht nur (Langzeit-)Arbeitslose und Menschen mit Behinderungen, sondern vor allem auch Elternteile, besonders Frauen, die nicht durchgehend gearbeitet haben (und schon gar nicht durchgehend in Vollzeit).
 
In den vergangenen Jahrzehnten waren es bspw. meistens Frauen, die während und nach ihrer Schwangerschaft eine Arbeitsunterbrechung hatten. Zusätzlich ist es z.B. alleinerziehenden Elternteilen häufig nicht möglich, in Vollzeit zu arbeiten. Weitere Gründe für Arbeitsunterbrechungen sind u.a. die Pflege von Angehörigen oder langfristige krankheitsbedingte Ausfälle.
 
Insgesamt führen all diese Situationen dazu, dass weniger als vom Staat angenommen in die Rentenkasse eingezahlt wird und der letztendliche Rentenanspruch deutlich unter dem allgemeinen Rentenniveau liegt. In anderen Worten: sie sind Gründe für Altersarmut.
 
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Ursachen der Altersarmut: Niedriglöhne

 
Im Jahre 2018 verdienten ca. 8 Millionen Menschen weniger als 11,40€ pro Stunde. Das heißt, dass jede/r Fünfte Erwerbstätige im Niedriglohnsektor arbeitet. Sie alle verdienen im Durchschnitt mindestens ein Drittel weniger, als der Durchschnitt.
 
Logischerweise sind mit niedrigen Löhnen auch niedrige Beiträge zur gesetzlichen Altersvorsorge verbunden. Weiterhin ist auch die betriebliche Altersvorsorge oft nicht ausreichend. Zusätzlich dazu haben Niedriglohnverdiener i.d.R. auch nur wenig finanzielle Möglichkeiten für eine private Absicherung. Insgesamt fehlt durch niedrige Löhne im Drei-Säulen-Rentensystem also in jeder Säule etwas, um die Erwerbstätigen vor Altersarmut zu schützen. Niedriglohn ist also ein wichtiger Grund für Altersarmut.
 
Da bringt es auch nur wenig, dass der Mindestlohn zum Jahreswechsel auf 9,50€ brutto gestiegen ist. Denn wie Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, in einem Beitrag der ARD erklärt, wäre bei einer Vollzeittätigkeit ein Stundenlohn von 13-14€ notwendig, um überhaupt erstmal über den Grundsicherungssatz von 865€ zu kommen.
 

Ursachen der Altersarmut: keine private Altersvorsorge

 
Dass die dritte Säule, die private Altersvorsorge, häufig nur unzureichend oder gar nicht bedient werden kann, haben wir weiter oben schon erwähnt. Doch Zahlen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigen, wie problematisch diese Situation ist.
 
So gab es deutschlandweit in 2020 nur ca. 17 Millionen Riesterverträge, von denen 20% aktuell ruhend gestellt sind. Somit sind nur etwas mehr als ein Drittel aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland ausreichend abgesichert - ein klarer Grund für Altersarmut.
 
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Altersarmut: was können wir dagegen tun?

 
Um die Ursachen und Gründe der Altersarmut zu beheben, gibt es zahlreiche Vorschläge.
Das ist auch dringend notwendig, denn die aktuelle Situation wird sich nicht von alleine verbessern und die Folgen von Altersarmut sind kritisch.
 
Doch wie sonst auch wollen wir nicht warten, bis politische Reformen durchgesetzt werden und Wirkung zeigen. Denn vor allem die unter uns, die nicht den oben genannten Risikogruppen angehören, können einfach Gutes tun und helfen, die Altersarmut in Deutschland zu mindern. Wir haben dafür Omma Socken gegründet. Falls du mehr über unsere Mission erfahren möchtest, schau einfach mal hier rein.