Altersarmut - Definition, aktuelle Situation und Zukunft

von Christopher Grobe

Berichte über Altersarmut findet man überall - die Zahlen sind dramatisch und werden wohl noch schlechter. Doch oftmals wird dabei vernachlässigt, was Altersarmut konkret bedeutet. In diesem Blogbeitrag erklären wir, was Altersarmut bedeutet, wie wir die aktuelle Situation darauf basierend interpretieren können und was die Zukunft bereit hält.

 

Was ist Altersarmut?

 
Beim Thema Altersarmut muss zunächst zwischen arm und armutsgefährdet unterschieden werden. Dabei helfen die Definitionen der Europäischen Union (EU).
  • armutsgefährdet ist, wer maximal 60% des nationalen Medianeinkommens zur Verfügung hat
  • arm ist, wer maximal 40% des nationalen Medianeinkommens zur Verfügung hat
Ein vereinfachtes Beispiel: wenn in einem Land das monatliche nationale Medianeinkommen bei 1.000€ läge, gälte man mit einem Einkommen von weniger als 400€ als arm. Mit einem Einkommen von weniger als 600€ würde man als armutsgefährdet gelten.
 
Und wer gilt eigentlich als “alt”? Kurz gesagt: Menschen ab 65.
 
Bei diesen Definitionen der Altersarmut wird also deutlich, dass Altersarmut immer relativ, also im Vergleich zum Rest der Bevölkerung betrachtet werden muss. Wie ist also die aktuelle Situation in Deutschland?
 

Wie hoch ist die Altersarmut aktuell in Deutschland?

 
Laut EU lag das nationale Medianeinkommen in Deutschland in 2019 bei 23.515€ pro Jahr, was ca. 1.960€ pro Monat sind. Die Altersarmutgefährdungsgrenze (60% von 1.960€) liegt demnach in Deutschland bei ca. 1.176€. Als arm gelten demnach alle, deren monatliches Einkommen weniger als ca. 784€ pro Monat beträgt. Das statistische Bundesamt gibt hier sogar noch niedrigere Zahlen an.
 
Die aktuellen Zahlen aus Deutschland schwanken je nach Quelle und Definition. Die einen sprechen von Prozentsätzen und Rentnern, die anderen geben absolute Zahlen für “alte Menschen” an. Somit schwanken die Angaben zwischen einigen hunderttausend bis zu mehr als 9 Millionen armutsgefährdeten über 65-jährigen.
 
Wir selbst gehen von rund 3 Millionen armutsgefährdeten über 65-Jährigen in Deutschland aus. Dazu haben wir uns auf Daten des statistischen Bundesamtes gestützt. Demnach lag die Armutsgefährdungsquote für diese Altersgruppe in 2019 bei 15,7%, während in Deutschland in 2019 18,1 Millionen über 65-jährige lebten. Dies entspricht ca. 3 Millionen. Diese Zahl deckt sich auch mit Angaben der EU.
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Nichtsdestotrotz sollten wir beachten, dass Zahlen wie die 9 Millionen nicht völlig unbegründet sind. So berichtet LichtBlick Seniorenhilfe e.V. in seinem Jahresbericht von 2019, dass “versteckte Arme in den Statistiken nicht erfasst werden”. Das bedeutet, dass Menschen, die sich bspw. knapp über der Armutsgefährdungsgrenze befinden, nicht mit einbezogen werden, obwohl auch sie im realen Leben unter Altersarmut leiden.
 

Wer ist besonders von Altersarmut gefährdet?

 
Insgesamt leiden vor allem Frauen unter Altersarmut. Das liegt u.A. daran, dass Frauen i.d.R. weniger Einkommen hatten und durch z.B. Schwangerschaften und die Kindererziehung häufiger Auszeiten genommen oder in Teilzeit-Jobs gearbeitet haben, als Männer. Dementsprechend fällt auch die Rente für Frauen geringer aus, als die für Männer. Aber auch die höhere Lebensdauer von Frauen spielt hier eine Rolle. Denn die Witwenrente ist keinesfalls so hoch, wie die normale Rente, die der Mann bekommen hätte.
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Wie wird sich die Altersarmut in Deutschland entwickeln?

 
Fragen zur Zukunft der Altersarmut in Deutschland beantwortet vor allem eine Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahre 2017.
 
Der Studie zufolge wird die Altersarmut weiter steigen. Bis 2036 rechnet man mit einer Steigerung der Altersarmutgefährdungsgrenze auf 20%, was im Vergleich zu heute ein Anstieg von ca. 25% ist. Gleichzeitig steigt voraussichtlich auch die Grundsicherungsquote um ¼ auf ca. 7%.
 
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Weiterhin lassen sich Risikogruppen identifizieren. So werden z.B. Frauen, Alleinstehende, Personen mit geringer Bildung oder Migrationshintergrund und auch Rentner in Ostdeutschland vermehrt von Altersarmut betroffen sein.
 

Altersarmut: was jetzt?

 
Um die Altersarmut in Deutschland langfristig zu verbessern, gibt es zahlreiche Vorschläge. Sie reichen von höheren Mindestlöhnen über eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge bis hin zu tiefgreifenden rentenpolitischen Reformen. Falls du mehr darüber wissen willst, haben wir hier für dich das Wichtigste aufbereitet.
 
Bis diese langfristigen Maßnahmen wirken, können wir alle natürlich mehr tun, als nur auf die Entwicklung der Altersarmut zu schauen. Aus diesem Grund haben wir Omma Socken gegründet. Mit uns kannst du einfach Gutes tun und helfen, die Altersarmut in Deutschland zu mindern. Erfahre hier mehr über unsere Mission.